Ein ganz besonderes Übungsobjekt stand der Feuerwehr Verl für die diesjährige Frühjahrsübung zur Verfügung. Für den bevorstehenden Abriss und Um- bzw. Neubau des Rathauses waren die Räumlichkeiten der Gemeindeverwaltung zum 01.04.2006 geräumt worden, so dass das nun leer stehende Gebäude optimale Voraussetzungen als Übungsobjekt mit sich brachten.
Die "Übungsdrehbuch" gab folgende Lage vor:
Im Dachgeschoß des historischen Teils des Rathauses ist in den Büroräumen des Hochbauamtes während der Dienststunden ein ausgedehnter Dachstuhlbrand ausgebrochen. Durch das Feuer ist der 1. Rettungsweg (Treppenhaus) für vier Mitarbeiter/innen der Verwaltung versperrt. Aus den Dachflächenfenstern dringt dichter Rauch. Zwei Personen machen sich an diesen Fenstern bemerkbar und drohen aufgrund des Feuers zu springen. Weitere zwei Personen werden im Gebäude noch vermisst.
Aufgrund des eingegangenen Notrufes alarmiert die Leitstelle Gütersloh unter dem Stichwort "Feuer 3" den Löschzug und den Rettungsdienst Verl sowie den Löschzug Kaunitz und zeitgleich eine zusätzliche Drehleiter (DLK 23/12) des Löschzuges Stukenbrock.
Der Löschzug Verl rückt gem. Alarm- und Ausrückeordnung mit Löschgruppenfahrzeug (LF 16/12), Drehleiter (DLK 18/12) und Rettungswagen an. Im Folgenden mit den restlichen Fahrzeugen (TLF 16/25, LF 16, ELW).
Zunächst werden die Personen an den Dachfenstern beruhigt. Es wird ein Sprungretter aufgebaut. Die DLK Verl wird zur Rettung einer Person im Hof des Rathauses in Stellung gebracht. Zeitgleich dringen mehrere Trupps geschützt durch schweren Atemschutz und ausgerüstet mit C-Rohren durch den Haupteingang über das Treppenhaus in das Dachgeschoß vor. Der Löschzug Kaunitz leitet vom Innenhof und Hintereingang die gleichen Maßnahmen ein. Für die eingesetzten Atemschutztrupps erfolgt eine Atemschutzüberwachung.
Für die Person, die sich am Dachgeschoßfenster zur Paderborner Straße hin bemerkbar macht, wird durch den Löschzug Kaunitz ein Sprungretter vorgenommen. Zur Rettung dieser Person wird von der Paderborner Straße aus die Drehleiter des Löschzuges Stukenbrock eingesetzt. Die übrigen Personen werden durch die Trupps im Innenangriff gefunden und heraus getragen bzw. mittels Fluchthauben herausgeführt.
Nach Rettung der vermissten Personen wird der Brand durch den Einsatz mehrere Strahlrohre unter anderem von den Drehleitern massiv bekämpft. Zur Querlüftung werden vor allen Eingängen Überdrucklüfter in Stellung gebracht.
Soweit die Vorgaben des "Drehbuches".
Zusätzlich konnten die Übungsleiter auf den Einsatz des Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OrgL RD) zurückgreifen, da diese Funktion an diesem Tage durch den Leiter der Verler Rettungswache Johannes Nutsch besetzt wurde. So konnte eine realistische Sichtung der "Patienten" sowie eine entsprechende Versorgung in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst Verl simuliert werden.
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Der tatsächliche Ablauf der Übung verlief nahezu "drehbuchgerecht", so dass sowohl die Übungsleiter Heiner Panreck (Stellv. Wehrführer) und Erwin Kleinemeier (Löschzugführer Verl), als auch die Vielzahl an Beobachtern aus Rat und Verwaltung sowie die Ehrenabteilung der Feuerwehr mit dem Verlauf der gesamten Übung sehr zufrieden waren. Durch die zentrale Lage des Übungsobjektes war allerdings ein Verkehrschaos nicht zu vermeiden. Der Verkehr musste einspurig auf der Paderborner Straße am Übungsobjekt vorbeigeleitet werden. Dieses führte – obschon es sich um einen Samstagnachmittag handelte – zu den beinahe täglich zu beobachtenden Verkehrsproblemen im Ortszentrum.
Eine große Zuschauermenge verfolgte die Übung aufmerksam von der anderen Straßenseite aus und zeigte sich beeindruckt von der Schlagkraft der Verler Feuerwehr.