Technik

Läuft und läuft und läuft... „Oma-Auto“ des Löschzugs Kaunitz wird 50 Jahre alt.

Ein Pressebericht von Hubertus Ebbesmeyer

Verl-Kaunitz (ebbe). Einen liebevoll gehegten und sehr wohl gepflegten Schatz bergen die Kameraden des Feuerwehr-Löschzuges Kaunitz in ihren Reihen: ihr „Oma-Auto“. Gemeint ist das Tanklöschfahrzeug TLF 16, Baujahr 1955 mit Erstzulassung „Januar 1956“. „So richtig im Einsatz ist es natürlich nicht mehr“, lacht Löschzugführer Wolfgang Apelmeier, „doch für Präsentationen und Sternfahrten machen wir es noch immer reisetüchtig - bis ins Ausland.“
Das „Juwel“ der Kaunitzer Blauröcke noch mit dem Original-Kennzeichen „BR 62-5250“ gehört zu den ganz wenigen Sammlerstücken, die es in Ostwestfalen noch gebe, weiß Apelmeier, der das gute Stück gemeinsam mit Alois Pagenkemper, Wigbert Pagenkemper, Egon Vorderbrüggen, Eckard Kleiner und Helmut Stüker betreut.
„Wenn der Wagen erzählen könnte, was er alles erlebt hat“, meint Alois Pagenkemper, der seit 1947 bei der Feuerwehr ist und lange Jahre Gemeindebrandmeister gewesen ist. Pagenkemper hatte das TLF 16 mit dem Mercedes-Benz-Fahrgestell „OM 9“ (daher auch „Oma-Auto“) und einem Spezialaufbau der Firma Metze seinerzeit gemeinsam mit Johann Lauströer und Löschzugführer Josef Franzlübbers aus Karlsruhe abgeholt: „Neun Stunden haben wir bei Kälte und Schnee für die Rückfahrt gebraucht“.
Seinen ersten Einsatz fuhr der neue Wagen am 22. Februar 1956. „Dabei lief bei Minus 20 Grad prompt der Motor heiß“, so Pagenkemper senior, „die Lüftungsrollos klemmten...“
Dennoch: „Mit dem neuen Fahrzeug haben wir in den ersten Jahren alle anderen Löschzüge geschlagen. Der preschte mit seiner 110-PS-Maschine mit Turbolader richtig nach vorne“, erinnert sich Alois Pagenkemper ganz genau und nennt weitere Fakten: 6-Zylinder-Turbomotor, Höchstgeschwindigkeit 80 km/h, 2400 Liter-Wassertank, 1500 Liter Pumpleistung pro Minute, mechanischer Blinker „und harte Holzbänke für den Löschtrupp“. Und: „Das war damals das erste Auto mit Staffelbesatzung – für zwei Trupps à zwei Mann sowie für den Truppführer.“
Besonders stolz sind die Kaunitzer Blauröcke darauf, dass das „Oma-Auto“ nach knapp 40.000 Kilometern in 50 Jahren noch immer mit der ersten Maschine fährt - und das „bei etwa dreimal so vielen Standstunden, um die Pumpe anzutreiben“.
Das Ende als reguläres Einsatzfahrzeug kam „Mitte der 90-er Jahre beim Brand der ‚Bunten Mühle’ in Verl“, weiß Wolfgang Apelmeier, „dabei ist der Stahltank gerissen“. Zuvor war dem historischen Fahrzeug bei zwei Einsätzen „komplett der Lack weggebrannt“.
Ordentlich lachen muss der Löschzugführer, „weil wir einmal ohne Wasser im Tank zum Einsatz gefahren sind und uns dabei gewundert haben, dass der Wagen so schnell beschleunigt...“ Außerdem sei der Besatzung „einmal der Schaltknüppel abgebrochen“.
Mittlerweile nutzen die Oldtimer-Liebhaber ihr „Oma-Auto“ zu Ausflügen und zu Ausfahrten zu internationalen Feuerwehrtreffen mit Sternfahrten. So bestaunten Interessierte das historische Gefährt unter anderem 1999 in Krumpendorf (Wörthersee), 2001 in Bruneck (Südtirol), 2003 in Bad Schlema (Erzgebirge).
„In diesem Jahr geht´s vom 26. bis 30. Mai nach Bled in Rumänien und 2007 fahren wir nach Stumm ins Zillertal“, so Helmut Stüker, der wie seine Mitstreiter bei solchen Gelegenheiten immer auch die Original-Feuerwehruniformen aus den 1950-er Jahren trägt.
Ansonsten präsentieren sie ihr „Schätzchen“ gerne zu Hochzeiten von Kameraden, zu Schützenfesten und bei Fahrzeugschauen anderer Löschzüge im Umkreis - so lange der Motor läuft und läuft und läuft...

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